17 Festspielhaus

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Das Festspielhaus Wanderlieder schreibt man in dem Moment, wo die Eisenbahn erfunden wird. Immer wenn etwas verloren zu gehen droht, erwächst der Versuch entgegen zu steuern. Wagner befürchtet den Kunstverlust, mit dem Festspielhaus will er dem entgegenwirken. Vom 1. Gedanken bis zur Realisierung vergehen 35 Jahre. Das Festspielhaus ist ein Modelltheater ohne Gleichen. Es gibt keinen Vorgänger, auch keinen Nachfolger. Theaterbauten im 19. Jahrhundert entstanden, um den Städten Glanz zu verleihen, man baut im Stil der barocken Oper, nur größer. Hier gibt es keinen urbanen Kontext, das Festspielhaus wird einfach in die Landschaft gesetzt. Man hebt ein Loch aus, dann zeichnet man erst Pläne. Es gibt nur zwei Bedingungen, die Wagner weiß: Tiefer gelegtes Orchester und Zuschauerraum wie ein Amphitheater. Der Orchestergraben wrid durch eine Sichtblende getrennt, notwendig für sein „Gesamtkunstwerk“. Wagner schreibt an Friedrich Schön 1882: „Ich bin kein Musiker, kein normaler Musiker zumindest, sondern einer, der ein Gesamtkunstwerk schaffen wollte, weshalb das Orchester in den Dienst der Bühne rückte, auf dass die Musik mit der Dichtung und den Bildern auf der Bühne zu einer Einheit verschmolz“. Das Theater soll mit dem Ring des Nibelungen, an dem er 26 Jahre arbeitet, eröffnet werden. Seiner Nichte Klärchen teilt Wagner bereits 1854 mit: ….“Mit den Nibelungen wird’s anders: die schreibe ich nicht für die Theater, sondern für uns! Aber aufführen werde ich sie doch: ich habe mir dies als einzige und letzte Lebensaufgabe gestellt. Meine Bühne werde ich mir selbst dazu bauen, und meine Darsteller mit selbst erziehen: Wie viele Jahre es mich kostet, ist mir gleichgültig. Wenn ichs nur einmal erreiche.“ Am 13.08.1876 eröffnet Wagner die 1. Festspiele der Welt mit dem „Ring des Nibelungen. Zur illustren Gästeschar gehören: Kaiser Wilhelm I., Kaiser Don Pedro aus Brasilien, Liszt, Tschaikowsky, Bruckner, Nietzsche. Drei Mal wurde der Ring gegeben, die Welt horchte auf, die Presse erteilte einhellig Lob. Wagner hatte es geschafft. Doch Wagner war von der Qualität der Aufführung enttäuscht. „Ich habe das unsichtbare Orchester erfunden. Nun muss ich noch das unsichtbare Theater erfinden“, sein resignierender Kommentar. Cosima versteht ihn: „Das Theater seines Gedankens ist ein Tempel, und das jetzige Theater eine Jahrmarktbude, er redet die Sprache des Priesters und Krämer sollen ihn verstehen.“ Wagner möchte nach Amerika auswandern, bei den nächsten Festspielen alles anders machen. Die 2. Festspiele können aus finanziellen Gründen jedoch erst 1882, nach 6 Jahren Pause stattfinden, da Wagner mit Konzerttouren das Defizit der 1. Festspiele abbauen muss. Parsifal schreibt Wagner nur für Bayreuth, die Premiere findet am 26.07.1882 statt. Bei der letzten Aufführung während der Verwandlungsmusik im 3. Akt nimmt Wagner seinem Parsifal-Dirigenten Levi den Taktstock aus der Hand und dirigiert „sein Abschiedswerk“ mit ergreifender Emotion zu Ende. Ein halbes Jahr später starb Wagner.

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