Kube 04 - Schlichtweg unkritisierbar: SHAKESPEARE

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Schlichtweg unkritisierbar: SHAKESPEARE

Wagner hat am Ende seines Lebens nur zwei Künstler von aller Kritik ausgenommen: Bach – und Shakespeare. Dass sich unter dem Künstlernamen Shakespeare nicht der illiterate Kaufmann aus Stratford, sondern Edward de Vere, der 17. Earl of Oxford (1550–1604) verbirgt, konnte Wagner noch nicht wissen. Doch seine zweite vollendete Oper ist bereits eine „Shakespeare-Oper“: Das Liebesverbot hat Wagner nach der „Komödie“ Measure for Measure (Maß für Maß) komponiert. Auch das Jugendstück Leubald, das Wagner mit etwa 17 Jahren schrieb, verdankt sich der intensiven Shakespeare-Lektüre, insbesondere des Hamlet, des Lear und der beiden Königsdramen Henry IV. und Henry V. Hier fand er die Figur des Sir John Falstaff, die er wie keine zweite andere Shakespeare-Figur liebte. In einem höheren Sinne „Shakespeare-Oper“ sind allerdings Die Meistersinger von Nürnberg: Im Großen des dramaturgischen Aufbaus und in vielen kleinen Details stammen sie vom Midsummer Night’s Dream, dem hierzulande Ein Sommernachtstraum genannten Stück, ab. Wagner hat sich auch theoretisch mit dem Dichter befasst. In seinen Pariser Jahren setzte er ihn mit dem bedeutendsten Musiker, mit Beethoven gleich. Die Auseinandersetzung erhielt eine neue, leicht kritische, doch niemals abwertende Intensität in den ersten Schweizer Exiljahren, als Wagner sich in der großen Schrift Oper und Drama mit dem Stückeschreiber auseinandersetzte, dessen Theaterform er als vorbildhaft empfand. Die Wahlverwandtschaft der beiden Dramatiker geht weit über die oberflächliche Faszination und dessen Funktion als Stofflieferant hinaus. In seinen letzten Tagen hat sich Wagner mit Hamlet und mit Othello identifiziert – dass Wagner in Venedig starb, war eine letzte Huldigung an den Dichter, der den Kaufmann von Venedig geschrieben hatte.

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