Kube 18 - Zwei Meister der Weltverneinung: SCHOPENHAUER UND BUDDHA

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Zwei Meister der Weltverneinung: SCHOPENHAUER UND BUDDHA

Richard Wagner war tief beeindruckt von Arthur Schopenhauers Hauptwerk: der Welt als Wille und Vorstellung. Mit diesem Opus magnum fixierte der Philosoph 1819 seine pessimistische Überzeugung von einer Welt, der man nur mit Skepsis begegnen könne. Wagner las es gleich mehrmals, während er gerade den Siegfried komponierte. Mit diesem Werk nahm Wagner zunächst Abschied von den revolutionären Thesen seiner Dresdner Zeit. Ohne die wichtige Lektüre hätte Wagner vermutlich nicht den ganz anders gearteten Tristan und Isolde-Stoff komponieren können. Nach dem 2. Siegfried-Akt war Wagner philosophisch an einem Wendepunkt angelangt: Mit den weltverneinenden Schopenhauer-Thesen im Kopf war es unmöglich, die Geschichte des kühnen Siegfried weiter zu komponieren. Stattdessen schob Wagner das Nachtstück der vergeblichen, nur im Metaphysischen möglichen Liebe ein. Tristan und Isolde haben offensichtlich nicht nur die mittelalterlichen Liebesromane, sondern auch Die Welt als Wille und Vorstellung verinnerlicht. Mit Schopenhauer hängt ein wesentlich älterer Lehrmeister untrennbar zusammen: Siddharta Gautama, gen. Buddha (563–483 v. Chr.). Schopenhauer hat sich von den Weltabschiedslehren des Buddha inspirieren lassen wie Richard Wagner, der die zeitgenössische Literatur über den asiatischen Religionsgründer intensiv studiert hat. Sie inspirierte ihn bis zuletzt. Der Wahnmonolog der Meistersinger und der Parsifal verdanken sich in wesentlichen Zügen den Lehren des Alten Meisters, der Mitleid, Liebe und Entsagung gepredigt hat. Doch gibt es kein Wagner-Werk, das Schopenhauers und Buddhas Lehren musikalisch umgesetzt hätte: auf der Ebene der glühendsten und sehnendsten Klänge blieb Wagner der romantische Expressionist, der er immer gewesen war, also gleichsam ein Anti-Buddha.

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